Scheinwerfer auf dem Förderband unter einer Kamera-Prüfstation, daneben ein Monitor mit Auswertung der Stichproben

SoP, EoP, CoP – und der Unterschied CoP-P vs. CoP-Q

SoP, EoP, CoP – es gibt so viele Abkürzungen, und selbst innerhalb einer Branche werden sie gern mehrfach belegt. Wenn wir davon sprechen, welche Pflichten der Hersteller in Bezug auf Produktkonformität hat, insbesondere hinsichtlich der Produktionsprozesse, sollten wir einige davon sauber auseinanderhalten. Sehen wir uns an, was SoP und EoP bedeuten, was Conformity of Production rechtlich verlangt – und warum Anhang IV zwischen der Bewertung des Systems und der Prüfung der Produkte unterscheidet, in der Praxis CoP-Q und CoP-P.

SoP und EoP: die Klammer um den Serienlebenszyklus

Beginnen wir mit den beiden Begriffen, die zwar allgegenwärtig sind, aber in keiner Verordnung stehen. SoP – Start of Production bezeichnet den Übergang von der Vorserie in die reguläre Serienfertigung. Die Typgenehmigung als externe und interne Freigaben wurden erteilt. Ab diesem Punkt läuft die Produktion „scharf“: Was jetzt vom Band läuft, geht in den Markt. EoP – End of Production markiert das Gegenstück, den Zeitpunkt der letzten Serienfertigung eines Typs.

Beide stammen aus der Projekt- und Qualitätsplanung der Automobilindustrie (APQP, VDA-Terminologie). Sie strukturieren den Lebenszyklus, tragen aber selbst keine unmittelbare Rechtsfolge. Trotzdem hängen an ihnen rechtliche Pflichten: Ab SoP dürfen Fahrzeuge nur mit gültiger Typgenehmigung und Übereinstimmungsbescheinigung in Verkehr gebracht werden. Und EoP beendet die Pflichten gerade nicht automatisch.

Denn die Aufzeichnungen zur Conformity of Production sind auch nach dem Produktionsende weiter aufzubewahren – mindestens 10 Jahre, typischerweise jedoch 15 Jahre. Für Sie heißt das: EoP ist kein Schlussstrich, sondern der Beginn einer Nachlaufphase. Wer nach dem letzten gefertigten Fahrzeug die Dokumentation entsorgt, handelt sich im Ernstfall ein echtes Nachweisproblem ein.

SoP/EoP ≠ auslaufende Serie

Verwechseln Sie EoP nicht mit dem Rechtsbegriff „Fahrzeug aus einer auslaufenden Serie“ (Art. 3 der VO (EU) 2018/858). Der betrifft den Abverkauf von Lagerbeständen, wenn neue Vorschriften greifen – nicht das reguläre Produktionsende. Zwei verschiedene Konzepte.

CoP: der Rechtsbegriff hinter der Serie

Anders als SoP und EoP ist CoP – Conformity of Production, deutsch „Übereinstimmung der Produktion“ – wörtlich im Gesetz verankert: in Art. 31 der VO (EU) 2018/858, konkretisiert durch Anhang IV. Der Zweck ist so einfach wie streng: Die laufende Serie muss dauerhaft mit dem genehmigten Typ übereinstimmen. Das „Baumuster“ zu einer Serie ist genehmigt – aber auch das hunderttausendste muss dem Muster entsprechen.

Verantwortlich dafür ist der Hersteller, gegenüber der Genehmigungsbehörde. Diese wiederum ist verantwortlich gegenüber der Europäischen Kommission.

Der Hersteller muss seine Produkte fortlaufend auf Einhaltung der Anforderungen prüfen und bewerten.

Die Behörde kontrolliert den Hersteller regelmäßig: Sie zieht hierbei gelegentlich eigene Stichproben und überprüft diese, auditiert aber auch die Fertigungsstätten in regelmäßigen Abständen.

Die Europäische Kommission überwacht die Genehmigungsbehörden kontinuierlich in Bezug auf die Einhaltung Ihre Aufgaben und Pflichten und hinsichtlich ihrer Unabhängigkeit.

Stellt der Hersteller (mutmaßliche) Nichtkonformitäten seiner Produkte fest, muss er die Auslieferung der betreffenden Produkte umgehend stoppen und Maßnahmen einleiten. Stellt die Behörde Abweichungen fest, fordert sie den Hersteller zur Stellungnahme und zur Einleitung von Maßnahmen auf.

Bei nachhaltiger Nichtübereinstimmung droht die schärfste Sanktion, die das Typgenehmigungsrecht kennt: der Entzug der Typgenehmigung. Dann darf kein einziges Fahrzeug des Typs mehr in Verkehr gebracht werden und bereits in Verkehr gebrachte Fahrzeuge werden unter Umständen stillgelegt.

Zeitlich beginnt CoP damit deutlich vor dem SoP. Bereits im Genehmigungsverfahren verlangt Art. 26 der VO (EU) 2018/858 den Nachweis der Verfahren zur Übereinstimmung der Produktion; die Behörde prüft und gibt sie frei, bevor die Genehmigung erteilt wird. Der Grund ist technisch: Die Typgenehmigung weist nach, dass die Konstruktion den Anforderungen entspricht – Fertigungstoleranzen sind darin nicht abgebildet. Genau diese Lücke schließt CoP. Zwischen SoP und EoP läuft dann der Kontrollplan, der regelmäßig neu bewertet und angepasst werden sollte.

Was heißt das für Sie? CoP ist keine Formsache am Rande, sondern die Bedingung dafür, dass Sie a) überhaupt eine Typgenehmigung erhalten und b) diese Typgenehmigung auch behalten dürfen. Sie ist der Beweis, dass Sie nicht nur Ihre Konstruktion und Entwicklung im Griff haben, sondern auch die Fertigungsprozesse.

Auditor mit Prüfliste im Gespräch mit einem Fertigungsmitarbeiter an einem Serienfahrzeug
CoP-Q bewertet das System, CoP-P das Produkt – erst zusammen sichern sie die Serie.

CoP-P vs. CoP-Q: die zwei Säulen der Übereinstimmung

In der Praxis – und im Sprachgebrauch der Prüf- und Zertifizierungsstellen – wird CoP in zwei Säulen aufgeteilt. Die erste ist CoP-Q („Quality“): die Bewertung des Qualitätsmanagementsystems, was initial mit der „Anfangsbewertung“ erfolgt und dann durch wiederkehrende Audits. Geprüft wird, ob der Hersteller ein System hat, das dauerhaft übereinstimmende Produkte hervorbringt – also Prozessfähigkeit, Organisation, Dokumentation.

Die zweite Säule ist CoP-P („Product“): die produktbezogene Prüfung an den tatsächlichen Serienteilen und -fahrzeugen. Hier wird nicht das System, sondern das Produkt selbst bewertet – über Musterentnahme, Prüfaufzeichnungen und den Nachweis, dass die Serienstreuung innerhalb der zulässigen Grenzen bleibt. Anhang IV der VO (EU) 2018/858 verlangt beide Bausteine.

Wichtig zur Einordnung: Die Kürzel CoP-P und CoP-Q sind kein Gesetzeswortlaut. Anhang IV spricht von „Bewertung der Qualitätssicherungssysteme“ / „Anfangsbewertung“ und von „Vorkehrungen für die Übereinstimmung der Produkte“. CoP-P/CoP-Q ist die gängige fachliche Abkürzung dafür – nützlich in der Kommunikation, aber im Zweifel sollten Sie wissen, welche gesetzliche Formulierung dahintersteht.

CoP-Q und CoP-P im Vergleich
CoP-Q (System) CoP-P (Produkt)
Gegenstand Qualitätsmanagementsystem Serienteil / Serienfahrzeug
Gesetzeswortlaut „Anfangsbewertung“ (Anhang IV Nr. 2) „Vorkehrungen für die Übereinstimmung der Produkte“ (Nr. 3)
Prüfmittel Audit des QM-Systems Musterentnahme, Messung, Serienstreuung
Ersetzbar durch Zertifikat? Nein – das Zertifikat erleichtert die Prozessbeurteilung, ersetzt die Bewertung aber nicht Nein – Produktprüfungen bleiben

Wie beide Säulen zusammenspielen

CoP-Q und CoP-P sind keine Alternativen, sondern Partner. Mit gut gestalteten Prozessen und Arbeitsabläufen lässt sich das Risiko für Abweichungen minimieren. Diese Prozesse müssen aber immer wieder anhand von CoP-Produktprüfungen auf ihre Wirksamkeit geprüft werden. Wo sich der Einfluss von Störfaktoren nicht durch Prozesse signifikant reduzieren lässt, gewinnen Produktprüfungen an Bedeutung und müssen entsprechend häufig erfolgen. Erst im Zusammenspiel entsteht die Sicherheit, dass Prozess und Produkt dem genehmigten Typ entsprechen.

Deshalb verzahnt Anhang IV beide über die fortlaufende Überprüfung: risikobasierte Audits kontrollieren die anhaltende Wirksamkeit des Systems und ziehen zugleich Stichproben für die Produktprüfung. Für Sie bedeutet das, beide Säulen brauchen Aufmerksamkeit. Wer nur auf das Zertifikat schaut, hat die halbe Pflicht erfüllt.

Das Zertifikat ist kein Freifahrtschein

Ein Zertifikat nach EN ISO 9001 oder IATF 16949 kann die Anfangsbewertung (CoP-Q) nicht ersetzen – es bildet aber eine solide Basis für das Qualitätsmanagementsystem selbst. Was Anhang IV erlaubt, ist etwas anderes: Die Genehmigungsbehörde kann sich bei der Beurteilung der Prozesse auf ein zertifiziertes QM-System stützen und auf dieser Grundlage über das Bestehen der Anfangsbewertung entscheiden. Die Begehung vor Ort bleibt davon unberührt. Und solide Prozesse entbinden nicht von den produktbezogenen Prüfungen (CoP-P) und den wiederkehrenden Audits. Sehr wohl lassen sich damit aber Prüfverfahren vereinfachen sowie Prüffrequenz und Stichprobengröße anpassen.

CoP ist nicht CoC – der häufigste Irrtum

Ein Missverständnis begegnet gelegentlich: Der Zusammenhang zwischen den „Verfahren zur Übereinstimmung der Produktion“ (CoP) und Übereinstimmungsbescheinigung, dem Certificate of Conformity (CoC). Die CoC ist ein Dokument, das der Hersteller für jedes einzelne Fahrzeug ausstellt und das die Zulassung ermöglicht. Mit dem COC-Papier bestätigt der Hersteller, dass das konkrete Fahrzeug konform zur Typgenehmigung ist. Die Grundlage dafür ist somit die Durchführung von CoP – denn nur wenn CoP durchgeführt und mit positivem Ergebnis abgeschlossen wurde, ist die Ausstellung des COC zulässig. Dies gilt bei Systemen, Bauteile und STE übrigens in Bezug für das Aufbringen der Genehmigungsnummer.

Hieraus ergibt sich auch die Pflicht, dass die Person, die das COC unterzeichnet, einen wesentlichen Einfluss auf Entwicklung oder Produktion haben muss und beispielsweise das Recht haben muss, die Auslieferung der betroffenen Produkte zu stoppen.

Anders gesagt: Die CoC ist das Ergebnis, CoP ist die Zusicherung dahinter. Ohne funktionierende CoP ist jede CoC nur ein (unzulässiges) Blatt Papier. Wer diese Ebenen sauber trennt, spricht im Audit die richtige Sprache – und vermeidet den Eindruck, seine Pflichten nicht zu durchdringen.

Beherrschen Sie SoP, EoP und CoP?

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SoP und EoP sind „Meilensteine“ in der Fertigung, CoP ist eine gesetzliche Anforderung. Wer die Kürzel verwechselt, verwechselt einen Meilenstein mit einer Pflicht – und das rächt sich im Audit.
Mark Haacke Gründer & Geschäftsführer, Mark Haacke Compliance Engineering

Warum die Nachlaufphase nach EoP so wichtig ist

Das End of Production ist rechtlich ein Anfang, kein Ende. Anhang IV der VO (EU) 2018/858 verlangt, dass die Aufzeichnungen zur Übereinstimmung der Produktion über mehrere Jahre – regelmäßig mindestens zehn Jahre – aufbewahrt werden. Der Grund ist einleuchtend: Auch nach der letzten gefertigten Einheit können Fragen zur Konformität auftauchen, etwa im Rahmen einer Marktüberwachung oder eines Haftungsfalls.

Wer diese Unterlagen mit dem Produktionsende entsorgt, steht dann mit leeren Händen da. Für Sie heißt das: Planen Sie die Archivierung von CoP-Prüfdaten, Musterergebnissen und Änderungsständen so ein, dass sie über die gesamte Aufbewahrungsfrist auffindbar bleiben – idealerweise strukturiert und nicht in verstreuten Ordnern. Beachten Sie hierbei auch geeignete Datei-Formate wie pdf-a.

Ein zweiter Punkt betrifft Ersatzteile und auslaufende Serien. Solange ein Typ noch mit Restbeständen bedient wird, laufen die Sorgfaltspflichten weiter. Die saubere Trennung zwischen regulärem Produktionsende und dem rechtlichen Sonderfall der „auslaufenden Serie“ hilft, hier nicht durcheinanderzukommen – beides hat unterschiedliche Voraussetzungen und Folgen.

Drei Dinge nach EoP

Aufzeichnungen über die volle Frist (mindestens zehn Jahre) aufbewahren, die Archivierung strukturieren, und den Unterschied zwischen regulärem Produktionsende und rechtlicher „auslaufender Serie“ im Blick behalten.

Häufige Fragen zu SoP, EoP und CoP

Stehen SoP und EoP im Gesetz?

Nein. SoP (Start of Production) und EoP (End of Production) sind Industrie-/Projektbegriffe aus der Automobilbranche. Im Typgenehmigungsrecht (VO (EU) 2018/858) kommen sie nicht vor. Rechtsbegriff ist allein CoP.

Was ist der Unterschied zwischen CoP und CoC?

CoP (Conformity of Production) ist der fortlaufende Kontrollprozess, der die Übereinstimmung der Serie sichert. Die CoC (Certificate of Conformity) ist das Einzeldokument pro Fahrzeug, das die Zulassung ermöglicht. Prozess vs. Dokument.

Was bedeuten CoP-P und CoP-Q?

CoP-Q meint die Bewertung des Qualitätsmanagementsystems („Anfangsbewertung“), CoP-P die produktbezogene Prüfung an Serienteilen. Beide sind Teil des Verfahrens nach Anhang IV; die Kürzel selbst sind Fachjargon, kein Gesetzeswortlaut.

Reicht ein IATF-16949-Zertifikat für die CoP?

Nein. Es erleichtert der Behörde die Beurteilung der Prozesse und vereinfacht damit das Verfahren – die Anfangsbewertung samt Begehung vor Ort und die wiederkehrenden Audits ersetzt es nicht, die produktbezogenen Prüfungen (CoP-P) ohnehin nicht.

Enden meine Pflichten mit EoP?

Nein. Auch nach dem End of Production sind die CoP-Aufzeichnungen über mehrere Jahre aufzubewahren (Anhang IV). EoP ist der Beginn der Nachlaufphase, kein Schlussstrich.

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